BRANDI Rechtsanwälte Partnerschaft mbB

Dr. Christoph Rempe, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Informationstechnologierecht

Falsche und negative Unternehmensbewertungen

Für Unternehmen gewinnen Bewertungen im Internet immer mehr an Bedeutung, da viele potenzielle Kunden zunächst auf Bewertungsplattformen, etwa für Hotels und Restaurants oder für Ärzte, nach Informationen über ein Unternehmen suchen, bevor sie dessen Leistungen in Anspruch nehmen. Aber auch in sozialen Netzwerken wie Facebook oder über Dienste wie Google Maps können Unternehmen bewertet werden. Der „Club Report“ sprach mit Dr. Christoph Rempe, Fachanwalt für IT-Recht, über Chancen und Risiken von Onlinebewertungen.

Herr Dr. Rempe, welche Chancen bieten Unternehmen Bewertungen im Internet?
Bewertungen suggerieren den interessierten – potenziellen – Kunden, dass ein Unternehmen eine bestimmte Qualität aufweist und über eine gewisse Reputation verfügt. Kunden, die die Auswahl zwischen verschiedenen Anbietern haben, werden sich für denjenigen entscheiden, der besonders gut bewertet wurde.

Dem folgend dürften aber auch die Risiken auf der Hand liegen …

Genau. Leider werden solche Bewertungen oft von unliebsamen Konkurrenten missbraucht und über Strohmänner Wettbewerber bewusst schlecht bewertet. Umgekehrt gibt es viele Unternehmen, die versuchen, sich mit Fake-Bewertungen in ein besseres Licht zu rücken. Beides ist wettbewerbswidrig und kann abgemahnt werden: sowohl von Wettbewerbern als auch von Verbänden. Auch Unternehmen, die sich auf solche Fake-Bewertungen als Geschäftsmodell spezialisiert haben, können wettbewerbsrechtlich belangt werden.

Wie verhält es sich mit bösen Bewertungen von unzufriedenen Kunden?

Leider sind Bewertungen nicht immer positiv und deren Inhalt auch nicht immer wahr. Der generelle Trend, dass vor allem über das Internet unter dem Deckmantel der Anonymität Lügen und Beleidigungen verbreitet werden, betrifft auch immer mehr Unternehmen. Diese stehen nun vor dem Problem, wie sie mit solchen negativen Bewertungen umgehen sollen. Meist ist es nicht möglich, sich an den – oftmals anonymen – Urheber einer solchen Bewertung direkt zu wenden.

Was können Unternehmen dann tun?
Sie können gegen die Plattform, über die die Bewertung veröffentlicht wurde, vorgehen. Zwar sind Plattformbetreiber nach der geltenden Rechtslage nicht selbst für eine über ihre Plattform veröffentlichte Bewertung verantwortlich. Außerdem hat der Bundesgerichtshof jüngst entschieden, dass Unternehmen Bewertungen ihrer Kunden generell hinzunehmen haben. Aber Plattformbetreiber haften dann für die Bewertungen, wenn sie trotz konkreten Hinweises auf falsche Tatsachenbehauptungen oder Beleidigungen nicht eingeschritten sind und die Bewertung gelöscht haben. Auch reine Werturteile müssen auf einer ausreichenden Tatsachengrundlage beruhen, was bei Fake-Bewertungen natürlich nicht der Fall ist. Daher kann das Unternehmen wettbewerbsrechtlich gegen den Urheber einer solchen Bewertung vorgehen, wenn es ihn ermitteln kann.

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