Die Welt im Wandel – und die Konsequenzen daraus

Sind gespannt auf die jährliche Gemeinschaftsveranstaltung (v.l.): MC-Präsident Alf Meyer zur Heyde, Jörg-Uwe Goldbeck, Mitglied der Geschäftsführung von GOLDBECK, IHC-Präsident Eduard R. Dörrenberg, und Dr. Albert Christmann, persönlich haftender Gesellschafter der Dr. August Oetker KG. Foto: Susanne Freitag
27. Mai 2019
Goldbeck GmbH, Ummelner Str. 4-6, 33649 Bielefeld

Wie begegnet die Oetker-Gruppe der digitalen Herausforderung?

(Bielefeld, 27.05.2019) Die Gemeinschaftsveranstaltung des Industrie- und Handelsclubs Ostwestfalen-Lippe e.V. und dem Marketing Club OWL Bielefeld e.V. findet in „schöner Tradition“ statt, nämlich bereits zum 12. Mal, wie MC-Präsident Alf Meyer zur Heyde bei seiner Begrüßung der knapp 200 Gäste betonte. „Jedes Kind kennt Dr. Oetker und wächst mit dem Duft von Vanille auf. Als Erwachsener nimmt man das Unternehmen als bedeutenden Arbeitgeber mit hohem sozialen Engagement wahr“, so Alf Meyer zur Heyde, der das Umsatzwachstum von 5,2 Prozent im vergangenen Jahr hervorhebt. Wie aber passt nachhaltiges Wachstum zur Digitalisierung und leitet mit dieser Frage über zum Vortrag von Dr. Albert Christmann.

Gespannt lauschten die zahlreichen Zuhörer im Vortragsraum der Firma Goldbeck den Ausführungen des persönlich haftenden Gesellschafters der Dr. August Oetker KG. „Die Zeit wird nie wieder so langsam sein wie bisher“ ist eine der ersten Thesen. Die Rahmenbedingungen, in denen wir uns bewegen, sind stetigem Wandel unterworfen, der sich in einer „wahnsinnigen Geschwindigkeit“ vollzieht. Dabei sei die Digitalisierung letztlich die treibende Kraft, die die anderen Megatrends, wie z. B. Individualisierung oder Kommunikation, ermöglicht.

Die weltweite Vernetzung, die Verdopplung der Rechnerleistungen alle 18 Monate – Tendenz steigend – und die weltweite Verbreitung von Smartphones haben Konsequenzen für das Kommunikationsverhalten und die Art der Beschaffung von Informationen, was letztlich das Einkaufsverhalten der Verbraucher bestimmt. Der Kundenzugang sei daher der Dreh- und Angelpunkt für Unternehmen, um erfolgreich am Markt bestehen zu können. „Qualität allein ist nicht mehr der entscheidende Punkt, wir müssen die Bedürfnisse des Kunden verstehen und ihn in den Mittelpunkt stellen“, so Dr. Albrecht Christmann. „Es geht um den Aufbau eines digitalen Ökosystems.“

Erfolgsgeschichte Amazon

Als Beispiel skizziert er die Entwicklung von Amazon. Ein Unternehmen, das mit dem Verkauf von Büchern, Spielwaren und Elektronik angefangen hat und mit visionären Ideen zum größten Online-Versandhändler der westlichen Welt aufgestiegen ist. Neben dem Handel hat Amazon seinen Kunden zudem einen Marktplatz angeboten, deren Nutzer „Steuern auf den Umsatz“ zahlen und so eine zusätzliche Einnahmequelle generiert. „Amazon ist nicht nur der Everything-Store, sondern ist Everything.“ Das US-amerikanische Unternehmen hat bereits vor 20 Jahren die Entwicklung antizipiert und deckt heute auch die Gebiete Unterhaltung, Technik, Cloud-Lösungen, Lieferservice etc. ab. Demnächst soll auch der Bereich „Bildung“ folgen. Über den Kundenzugang baut Amazon Relevanz auf. Ganz klar, Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.

Digitale Vision

Der EU fehlen im Vergleich zu den USA und China mit ihren riesigen Binnenmärkten die Tech-Giganten. Das Unternehmertum ist nicht so risikofreudig wie in den USA bzw. wird nicht massiv staatlich gefördert wie in China. Durch unterschiedliche Kulturen und Sprachen ist der europäische Binnenmarkt fragmentierter. Eine Herausforderung für Unternehmen, die ihren Umsatz zu einem großen Teil in der westlichen Welt machen wie die Oetker-Gruppe. Denn immer neue Wettbewerber kommen mit neuen Spielregeln in den Markt und verändern den Wettbewerb. Das müssen Unternehmen voraussehen und entsprechende Visionen kreieren. „Wir haben eine digitale Vision als Guideline für unser Tun entwickelt“, berichtet Dr. Albrecht Christmann. So unterstützt das in Berlin ansässige „Oetker Digital“ die einzelnen Sparten des Familienunternehmens bei der Digitalisierung. Ein weiterer Baustein der Vision sind Venture Fonds. Traditionelle Werte werden dabei nicht über Bord geworfen, sondern die Unternehmenskultur entwickelt sich weiter. Es wird entlang der gesamten Wertschöpfungskette gearbeitet. Die klassischen digitalen Key-Success-Faktoren werden erfüllt. Der Konsument steht ganz klar im Fokus, da muss seine Customer Journey verstanden werden. Megatrends müssen Berücksichtigung finden, um die Zukunft antizipieren zu können. „Gesundheit“ ist zudem ein wichtiger Bereich. Pizza, Kuchen und Gesundheit – ein Widerspruch? Die Frage kam in der anschließenden lebhafte Fragerunde auf, die IHC-Präsident Eduard R. Dörrenberg, mit Witz und Sachkenntnis moderierte. „Dr. Oetker steht für Genuss. Wir machen Produkte für die Seele“, so der persönlich haftende Gesellschafter und spielt damit augenzwinkernd auf einen neuen Pudding mit dem Namen „Seelenwärmer“ an. Außerdem würden die Rezepturen der Produkte permanent weiterentwickelt. Der Salzgehalt der Ristorante-Pizzen wurde bereits um 27 Prozent reduziert.

„Wir müssen schneller werden, ohne den Menschen zu überfordern“, lautete eine weitere wichtige Botschaft des Abends. Bei der Veränderung von Arbeitsprozessen müssen die Mitarbeiter mitgenommen werden. Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sind in der DNA des Unternehmens fest verankert. „Wir brauchen ein digitales Ökosystem, um den Zugang zum Verbraucher zu haben. Das ist der einzige Weg, um unsere Produkte in den Köpfen der jungen Menschen zu verankern.“

 

Text: Eike Birck

Fotos: Susanne Freitag

 

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