Der süße Weg - Changemanagement zwischen Edelstahl und Schokolade

Marcel Niebuhr (Sollich KG), Kai Wallasch (Sollich KG), Sabine Schoner (Kultur Räume Gütersloh), Eric Adelt (IP Adelt GmbH)
29. Januar 2024
SOLLICH KG (Siemensstraße 17-23, 32105 Bad Salzuflen)

Der süße Weg bei der Sollich KG

Changemanagement zwischen Edelstahl und Schokolade

(Bad Salzuflen, 29. Januar 2024) „Wir sind heute Abend zu Gast beim Weltmarktführer für Maschinen für die Süßwarenherstellung“, erklärt Programmplanerin Sabine Schoner bei der Begrüßung der Mitglieder und Gäste des Marketing Clubs OWL Bielefeld. Und schon die vielen kleinen schokoladigen Verführer auf den Tischen deuten an, worum es bei der Sollich KG in Bad Salzuflen schwerpunktmäßig geht. Hier werden Maschinen entwickelt und gefertigt, um Schokoladenriegel und Co. herzustellen.

 

Das Traditionsunternehmen mit über 100-jähriger Tradition ist in den vergangenen Jahren gewachsen, die Märkte verändern sich und auch die Kommunikationsstrukturen. Um erfolgreich auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können, verfolgt das Familienunternehmen im Lippischen ein strategisch ausgerichtetes Changemanagement. Was zunächst sehr technisch klingt, ist jedoch sehr stark auf den einzelnen Mitarbeitenden ausgerichtet. Kai Wallasch, seit anderthalb Jahren Mitglied der Geschäftsleitung, handelt getreu seinem Motto: „20 Prozent technisch, 80 Prozent menschlich“.

Er sieht sich im People Business, obwohl auf seiner Visitenkarte IT steht. Der Ingenieur, der seit 25 Jahren u. a. als Unternehmensberater in verschiedenen produzierenden Industrien tätig ist, skizziert kurz die hohen Anforderungen an den technischen Prozess, um Schokolade fachgerecht zu verarbeiten. Temperatur ist dabei ein großes Thema. Um Schokolade aufzutragen, muss sie erwärmt werden, abkühlen und gegebenenfalls für einen erneuten Überzug wieder auf Temperatur gebracht werden. Länge, Dicke und Konsistenz – das ist alles eine Kunst für sich. Hieraus wird deutlich, dass auch die Anforderungen an die zu entwickelnden Maschinen höchst individuell sind und von Kunde zu Kunde sehr unterschiedlich. „Manchmal kommen auch Kunden zu uns, die noch keine Vorstellung davon haben, wie ihr neuer Schokoriegel beschaffen sein soll“, berichtet Kai Wallasch. „Für diesen Fall haben wir unser Labor, wo wir Dinge einfach mal ausprobieren können.“ 

 

Veränderung ist nötig, aber zuweilen schwierig

 

Das Szenario kennen viele Unternehmen. Um auf sich wandelnde Märkte oder technische Neuerungen einzustellen und diese bestenfalls gewinnbringend nutzen zu können, sind Veränderungen in den Strukturen nötig. Das ist häufig aber gar nicht so einfach. „Wir leben in einer VUCA-Welt“, sagt Kai Wallasch. „Das bedeutet, alles ist volatil, ungewiss, komplex und uneindeutig. Es ist nicht mehr klar, was richtig und was falsch ist. Die Welt wird schwieriger. Wir wissen, dass es so nicht weitergehen kann, aber welchen Weg wir gehen, der letztlich von Erfolg gekrönt ist, darüber können wir nur Vermutungen anstellen. Der Ausgang ist in letzter Konsequenz ungewiss. Und damit müssen wir leben.“ Das bedeutet, dass Entwicklungen nicht vorhersehbar sind. Und das macht vielen Menschen Angst. „Einige Menschen brauchen eine Komfort-Zone, aber alle brauchen eine Safe Zone. Bei Veränderungen im Unternehmen muss klar sein, dass verschiedene Eckpunkte bleiben, wie sie sind“, macht der Ingenieur deutlich und ergänzt: „Es gibt kein Zuviel an Kommunikation. Auch wenn Veränderungen bereits mehrfach angesprochen wurden, muss das z. T. noch mal und noch mal thematisiert werden, weil Menschen unterschiedlich verstehen und aufnehmen. Jeder braucht ein Maß an Zuwendung“, betont Kai Wallasch.

 

Changemanagement ist Chefsache

 

Bei Sollich hat der Geschäftsführer mit jedem Einzelnen über bevorstehende Veränderungen gesprochen. Dazu wurden Gruppen gebildet und Gespräche geführt. Die menschliche Komponente ist sehr wichtig, um die Menschen beim Change mitzunehmen. Manchmal kann es bis zu einem Jahr dauern, bis die Veränderungen akzeptiert und positiv gelebt werden.

Das Phasenmodell nach Tuckman – forming, storming, norming, and performing – kann helfen, die verschiedenen Stadien besser zu definieren und zu verstehen. „Wichtig ist es, in der Phase der Veränderung, sein Team genau zu beobachten“, sagt Kai Wallsch. Hier kommt die Safe Zone ins Spiel. Für Mitarbeitende ist es sehr wichtig zu wissen, dass am Ende des Monats der Gehaltsscheck kommt. Generell gilt es herauszustellen, was alles trotz der Veränderung beim Alten bleibt, um Sicherheit zu vermitteln.

Eine positive Fehlerkultur hilft enorm dabei, Veränderungen erfolgreich umzusetzen. Den Erfolg einer Veränderung kann niemand garantieren, aber es kann ein Umfeld geschaffen werden, in dem die Wahrscheinlich, dass ein Change gelingt, steigt. Für Mitarbeitende ist es eine wertvolle Erfahrung zu sehen, dass wenn auch Vorgesetzte sich öffnen und Fehler zugeben, keine negativen Konsequenzen zu erwarten sind, wenn man selbst zugibt, etwas falsch gemacht zu haben. Ein solches Umfeld der positiven Fehlerkultur minimiert das Risiko eines schlechten Ausgangs der Veränderung. „Ich kann mein Umfeld nicht steuern“, sagt der Experte für Changemanagement mit Blick auf Corona-Pandemie oder Lieferengpässe durch ein havariertes Schiff im Suez-Kanal, „aber ich kann steuern, wie ich auf solche Gegebenheiten reagiere.“ Und ganz klar ist: Beim  Changemanagement geht es immer um Menschen.

 

Einblick in die Praxis

 

Nach dem spannenden Impulsvortrag ging es mit Marcel Niebuhr, Strategieprojektmanager und Prozessingenieur bei Sollich, in die „heiligen Hallen“ des Unternehmens: ins Labor. Hier werden Schokoladenteppiche geformt, Riegel mit Ultraschall-Hacker gewichtsgenau geschnitten und Neuerungen für internationale Kunden ausprobiert. Alle namhaften – und auch unbekanntere – Unternehmen, die mit der Produktion von Schokoladenerzeugnissen zu tun haben, waren schon bei Sollich als Kunden zu Gast. Jede neue Maschine ist eine neue Herausforderung für Ingenieure und Konstrukteure des in Bad Salzuflen beheimateten Familienunternehmen. So müssen nicht nur die Kundenanforderungen passgenau umgesetzt werden, sondern auch Schwankungen bei den Rohstoffen berücksichtigt werden. Und es gibt zudem länderspezifische Unterschiede. So hat beispielsweise Puderzucker in Russland eine andere Konsistenz als in Deutschland. Und weil die Verarbeitung von Schokolade, wie Kai Wallasch schon erwähnte, eine Kunst für sich ist, müssen die Maschine hochpräzise Arbeit leisten. Wenn beispielsweise 2.800 Domino-Steine in der Minute bei gleichbleibender Form und Qualität produzieren werden sollen. „Eigentlich bauen wir nie zwei Mal dieselbe Maschine“, erzählt Marcel Niebuhr. „Und manchmal fangen wir bei der Konstruktion auch schon mal bei Null an.“ Ganz klar: Das Thema Schokolade fasziniert – und so stellten sich Kai Wallasch und Marcel Niebuhr sehr sympathisch und geduldig den vielen Fragen beim sich anschließenden Get-together.

 

Text: Eike Birck

Fotos: Timo Blaschke, Frank Terpoorten (ams Videograph)

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