90 Jahre Manufakturarbeit aus Bielefeld

Der Marketing Club zu Gast bei Verse (v.l.): MC Schatzmeister Tim Urbansky, Vorstandsmitglied Eric Adelt, Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Verse und Florian Verse und Vorstandsmitglied Daniela Köller. Foto: Esther Baumann
17. September 2018
Bielefelder Bettfedern-Manufaktur Verse GmbH, Höfeweg 82, 33619 Bielefeld

Ausgeschlafen!

(Bielefeld, 17.9.2018) Zwar verbringt der Mensch etwa ein Drittel seines Lebens mit Schlafen, aber damit die Produktion der kuscheligen Decken und Kissen reibungslos läuft, muss man schon ziemlich ausgeschlafen sein. Wie das funktioniert, erfuhren die Mitglieder und Gäste des Marketing Clubs OWL Bielefeld aus erster Hand von Florian Verse, der die 4. Generation des Familienunternehmens repräsentiert.

In 92 Jahren hat sich aus einem kleinen Handwerksbetrieb für Bettdecken/Tischwäsche und Blusen ein mittelständischer Manufakturbetrieb entwickelt, der Handelspartner in ganz Europa und Brasilien beliefert. Anschaulich legte Florian Verse in seinem Vortrag dar, wie sich die Erwartungshaltung der Konsumenten und damit auch der Markt verändert hat. „Alles muss immer sofort und überall verfügbar sein.“ Das wirkt sich auf die Handelspartner, wie Bettenfachgeschäfte, Möbelmärkte, Filialisten und Onlinehändler, aus, die kein Risiko mehr eingehen und kaum noch Ware im eigenen Lager haben. Das bedeutete für das Bestellwesen: weg vom Vorordergeschäft hin zu einem reinen produzierenden NOS-Lieferanten. NOS steht für „never out of stock“. Entsprechend gewachsen sind die beiden Lager für Hüllen und für Daunen und Federn. Hier steckt ein Großteil des Kapitals des Traditionsunternehmens. „Wir sind Auftragslieferanten geworden“, berichtet Florian Verse. „Vom Auftragseingang bis zur Auslieferung des fertigen Produkts brauchen wir 96 Stunden.“

Um zu demonstrieren, wie das funktioniert, gab es im Anschluss an den Vortrag eine Führung durch den 2017 eingeweihten Neubau samt Produktionshallen. Hier stehen Maschinen aus dem 19. Jahrhundert Seite an Seite mit Waschmaschinen und Abfüllautomaten der neusten Technologie. Besonders faszinierte die holzverkleidete Sortiermaschine, in der die Federn wie bei Frau Holle ordentlich durcheinandergewirbelt wurden. Das Holz verhindert übrigens die statische Aufladung, sonst bekäme man die Federn nicht mehr auseinander. Mehrere hundert Arbeitsschritte sind nötig bis zum fertigen Produkt. „Wir sind weltweit der einzige Hersteller, der bei Cassettendecken ein vollständig geschlossenes System anbietet“, betont Florian Verse. Das bedeutet, dass nach jedem Füllvorgang mit Daunen und Federn jede einzelne Kammer der Decke vernäht wird. Das ist Handwerk, und deshalb trägt das Unternehmen auch den Begriff Manufaktur im Namen.

Und wer immer schon mal ein Knäuel Eiderdaunen anfassen wollte – buchstäblich federleicht und unglaublich wärmend –, der bekam bei dieser interessanten Veranstaltung des Marketing Clubs OWL Bielefeld auch dazu Gelegenheit.

 

Text: Eike Birck

Fotos: Esther Baumann

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